Mit Rauschefahrt zum Vatertag

Gestern war ja wirklich Kaiserwetter. Mit 4 Bft in Böen 5 hatte man uns auf’s Wasser gelockt. Und tatsächlich einmal bis Lindau dann bis Meersburg und wieder zurück hat es gereicht.

Um die 35 sm standen am Ende auf der Logge. Maxspeed 7 kn. Das ist Rekord für die alte Dame. Sie hat sich ganz schön auf die Seite gelegt und jeden Drücker mitgenommen. Ein sensationeller Tag in kleiner Männerrunde. Davon gerne mehr …

Handbreit,
Euer Segelmichel

Der Mast steht, der Frühling geht

Am Freitag haben Andy und ich den Mast gestellt. Es war ein wenig langwierig, denn beim Sortieren und Vorbereiten hatten wir noch keine Erfahrungswerte. Im Zeitraffer sieht es ganz in Ordnung aus. Aber ich denke, mit der Übung kommt auch mehr Geschwindigkeit.

Nach unserer ersten Proberunde unter Motor haben wir uns dann schon fast wie echte Seenotretter gefühlt. Denn ein Segelboot war beim Versuch in den Hafen zurück zu kehren mit Motorausfall vor der Einfahrt „liegen“ geblieben. Die beiden versuchten zwar mit Paddelunterstützung und mit Ruderschlägen vorwärts zu kommen, aber Andy stoppte neben den beiden auf, ich nahm eine Leine über und wir schleppten die beiden Unglücksraben bis vor den Steg 8, der fast bei uns am Ende des Hafens lag. Da hätten die beiden noch eine ganze Weile gepaddelt. Aber unter Seglern hilft man sich einfach. Obwohl einige bereits an dem Boot vorbei gefahren sind ohne zu fragen ob sie Unterstützung brauchen.

Der Frühling zieht nun mit Macht im Süden ein. Die Bäume blühen und die Sonne hat schon wieder richtig Kraft. Nur schade, dass zum 01. Mai eher mit Regen und Kälte zu rechnen ist.

Handbreit,

Euer Segelmichel

Eine Dame rangiert die andere

Heute, zwischen den Schneeschauern war es endlich so weit.

Die Old Lady wurde ins Freie rangiert und es ging gleich los nach Gohren. Das erwartete Chaos blieb aus. Da das Wetter nicht so einladend war, kam ich quasi sofort an die Reihe. Ich konnte noch den Rumpf an den ausgesparten Stellen kurz überstreichen. Und schon schwamm sie. Die kurze Fahrt in die Box mit gelegtem Mast wurde von Böen und Graupel begleitet.

Im frischen Wind bändigte ich ein paar Folien und und deckte zur Vorsicht alles ab.

Am Freitag stellen wir dann im schönen warmen Wetter den Mast. So ist zumindest der Plan.

Handbreit,
Euer Segelmichel

Mastlegen als Auftakt zum Winterblues

Der November geht zu Ende, der erste Advent steht vor der Tür und weitere Herbststürme und Frost werden erwartet. Es gibt zwar immer wieder warme und sonnige Phasen, die jedoch am See immer unter einer dicken Nebeldecke verschwinden. Diese Glocke hüllt alles in ein graues und feucht kühles Nass ein. Selten wird es warm und sonnig. Aber genau heute, als wir beide uns aufgemacht haben, das Boot auszuräumen und den Mast zu legen, war wieder so ein Tag.

Aber wie legt man nun den Mast? Beim Mast stellen hatte mir Florian, der Bootsbauer geholfen. Sprich, wie bei jeder Yacht haben sie den Kran bemüht und den Mast abgestellt. Die Old Lady hat aber eine Mastlegevorrichtung. Allerdings habe ich diese nie in Aktion gesehen. Vielleicht hilft dieser Beitrag auch dem einen oder anderen bei genau diesem Problem.

Nach einigen Recherchen fand ich in einem Forum eine Skizze, die den prinzipiellen Aufbau erläutert. Beim Inspizieren des Schiffes hatte ich damals auch einiges gefunden, was darauf hin deutet, dass der Mast selbst zu legen und wieder zu stellen ist.

Das ist ja auch eine wirklich praktische Sache, denn so könnte ich unter der Rheinbrücke in Konstanz hindurch um z.B. zur Reichenau und zum Gnadensee zu kommen. Aber wenn man es noch nie gemacht und geübt hat, dann zeigen sich schon ein paar Sorgenfalten auf der Stirn.

Mastlegevorrichung
Mastlegevorrichung

Am Mastfuß befindet sich eine kurze Steckverbindung, auf die ein Gestänge aufgesteckt wird. Die Spitze dieser Stange wird mit einem dreifachen Flaschenzug am Bug festgehalten. Das Vorstag wird direkt an dieser Stange angeschlagen. Die Oberwanten sind an einem Gestänge angeschlagen, ähnlich wie auf der Skizze. Dadurch wird der Drehpunkt genau auf Höhe der Achse verlagert und die Oberwanten können angeschlagen bleiben und stabilisieren den Mast in der Bootsachse. Er kann also nicht nach Backbord oder Steuerbord auswandern.

Jetzt hatte ich mächtig „Schiss“, dass der Mast einfach umfällt. Deswegen sollte meine Liebste die Schot halten, die zur Sicherheit noch angeschlagen war. Ich machte mich nun daran die weitere Verstagung, bzw. die Wanten zu lösen. Der Mast bewegte sich nicht. Ich löste auch das Oberwant etwas, so dass der Mast eigentlich nur noch am Vortstag gehalten wurde. Die Achse, im Mastfuß war natürlich auch lose. Aber nichts rührte sich. Mittlerweile stemmte ich mich fest gegen den Mast und nichts geschah. Lediglich ein minimaler Ruck und leichtes Wackeln der Mastspitze war zu bemerken.

Sollte der Flaschenzug so gut halten? Jetzt wurden wir mutiger und lösten die Talje etwas und nach festem Drücken gegen den Mast bewegte er sich nun ganz leicht und ganz wenig in Richtung Heck. Wir begannen die Talje mehr nachzugeben und siehe da, er bewegte sich ohne Probleme und ganz leicht. Sylvia konnte die Talje quasi mit zwei Fingern halten.

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Jetzt konnte ich übernehmen und wir ließen den Mast bis auf das Deckshaus herunter, wo schon zwei Kissen den Mast erwarteten. Erst im letzten Drittel wurde der Kraftaufwand größer der nötig war um den Mast noch zu halten. Als er dann schließlich lag, musste lediglich die Achse entfern und der Mast im Ganzen nach vorne verlagert und fixiert werden.

Als dies dann auch geschehen war, zog schon wieder Nebel auf und es wurde kühler. Sylvia wärmte sich unten im Boot am Heizlüfter, während ich den Rest klarierte, damit wir zum Kran fahren konnten. Da ich auch in Gohren noch nie am Haken hing, war auch dies spannend.

Genau als ich zum Kran wollte zog natürlich eine andere Yacht dort ihre Kreise. Aber die wollten nur neben dem Karan anlegen und machten mir das Manöver ein wenig schwieriger. Ich navigierte also sehr sehr langsam um in einem Zug direkt in die Schlaufen des Kranes zu zirkeln.

Der Hänger stand schon unweit des Kranes bereit die Old Lady wieder für den Winter in seine „Arme“ zu schließen. Wir waren schneller draußen, als ich gedacht habe. Mit zwei Euro konnte ich noch beim Dampfstrahler der alten Dame eine Wäsche „unten rum“ ermöglichen. Es war fast nichts mehr vom VC 17, der schönen kupferfarbenen Schutzschicht vorhanden. Aber einige Stellen waren schon etwas moosig. Der Dampfstrahler entfernte alles.

Wir machten uns dann auf den Weg nach Friedrichshafen zu Kollmars Werft. Denn Bug- und Heckkorb waren ein wenig locker und Florian hatte mir zugesagt, dass noch nachzubessern.

Micha, der Bootsbauergeselle, wollte dann am Folgetag den Motor noch einwintern, dass der Frost weder dem Wassersammler, noch der Motorkühlung etwas anhaben kann.

In ein paar Tagen kann ich die Old Lady dann wieder abholen um sie in Schuppenberg überwintern zu lassen.

Jetzt beginnt der Winterblues. Aber in wieviel Tagen ist eigentlich Frühlingsanfang?

Handbreit,

Euer Segelmichel

Und Heim am Stück

Am Montag Morgen war natürlich wieder der übliche Bodenseenebel über dem See. Im Hinterland wurde es heller aber die Sonne schaffte es lange nicht den Nebel weg zu heizen. Aber mit einigen Thermoskannen voller Tee, dem einen oder anderen Stückchen Stollen oder Lebkuchen, schafften wir dann den Heimweg von gut 14 sm in vier und einer Dreiviertelstunde.

Wie man unschwer auf dem Plot erkennen kann, ging es unspektakulär fast immer auch einem Bug in Richtung Heimat.

Als wir dann gegen 14:00 wieder in Gohren fest machten, kam natürlich bereits die Sonne zum Vorschein. Wir saßen noch eine ganze Weile in Cockpit und saugten die Wärme auf. Sylvia wolle auf jeden Fall noch bei Tageslicht das Boot abdecken. Und so glaube ich, hat sie sich wieder auf eine etwas wärmere Umgebung gefreut.

Jedenfalls waren es sehr angenehme drei Tage. In der Hoffnung, dass wir noch ein paar Segeltage nutzen können, bevor die Old Lady ins Winterlager überführt wird. Aber das ist eine andere Geschichte.

Handbreit, Euer Segelmichel

Neue Kleider für die alte Dame

Letzte Woche, als ich verreist gewesen bin, hat der Segelmacher nun die Persenning fertig gestellt. Schaut einfach selbst. Ich finde, sie sieht gut aus. 

 So kann die Old Lad noch ein weilchen im Wasser bleiben

Die Impressionen des letzten Samstags sind auch sehr eindrucksvoll.

Handbreit
Euer Segelmichel

Ein heikles Thema oder in Bad und WC, alles OK!

In anderen Blogs wurde dieses sehr menschliche aber dennoch heikle Thema auch schon intensiver besprochen. Wenn „Frau“ mit zum Segeln geht, ist das WC immer ein Thema. Die Jungs haben es ja relativ einfach. Aber über die Reling ist im Zweifelsfall auch verboten. Denn am Bodensee ist es schlicht verboten und anderswo, bei Wind und Welle ist es einfach zu gefährlich. Aber die „Literatur“ kennt aufgesägte Plastikflaschen, die gute alte Pütz und andere Behälter, mit denen man(n), ohne über die besagte Reling zu fallen, sich trotzdem Erleicherung verschaffen kann. Am Anfang ist es bei 2 m Welle und gemischter Besatzung eher ein Kopf- und Gleichgewichtsthema, den Eimer zu treffen. Wenn man aber von seinen Kameraden am Lifebelt gehalten wird, bekommt man auch wieder eine Hand frei, für das Wesentliche.

Allerdings sieht die Welt für die Damen hier ungleich schwieriger aus. Also muss eine Toiliette ins Boot.

Leider sind alle Borddurchlässe, außer der Ansaugung für Kühlwasser am Bodensee verboten. In vielen anderen Revieren werden die Bestimmungen auch immer strenger. Deswegen fehlte bei der Old Lady das gammelige Bord-WC und die Durchlässe wurden im Rahmen des Refits auch gleich beseitigt.

Aber was baut man in ein kleines 29 Fuss Boot ein? Einen Fäkalientank? Pfui …

Ich habe mich gegen ein Porta-Potti entschieden, denn auch das „stinkt zum Himmel“ und für eine sog. Trockentoiliette. Das ist eine „coole“ Geschichte, bzw. eine einfache Eimertoilette. Den Platz hatte ich ja noch, allerdings musste die Standfläche etwas vergrößert werde und ein sicherer Halt für die „Schüssel“ musste es auch sein.

Anbei seht ihr meine Lösung. Ein Podest mit Standfuss wird herunter geklappt und in eine gefräste Rille stellt man die Eimertoiliette. Dadurch steht die „Schüssel“ und rutscht nicht. In den Eimer gibt man einen kompostierbaren Beutel, in den auch alles andere, z.B. Hygieneartikel oder einfach auch das Klopapier entsorgt werden kann. Ganz pfiffig, kann man einen Sack Katzestreu mitnehmen und eine Hand voll in den Beutel geben um Flüssigkeit zu binden.

Diesen Beutel kann man dann im nächsten Hafen ohne Probleme im normalen Müll entsorgen, dann es ist alles zu 100% kompostierbar.
Ich bin gespannt, wie die Lösung sich bewährt und werde natürlich weiter berichten.

Ahoi und Handbreit,
Euer Segelmichel

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Und heute war ich mit meinem Schatz segeln …

Spontan, so gegen vier sind wir Richtung See losgefahren und haben vor lauter Autos keinen Parkplatz gefunden. Später auf dem Wasser sind uns Boote in Dreierreihen in der Einfahrt entgegen gekommen. Wir wollten einfach „nur rauß“. Aber das Gedränge in der Hafeneinfahrt hat auch was positives. Denn alle wollten heim! Nur wir waren antizyklisch unterwegs und konnten auf einem leerer werdendem See das gigantische Panorama genießen.

Der See hat bereits einladende 21-22 Grad. Da aber die Badeleiter aktuell noch nicht passt, bzw, die Beschläge der Halterung noch überarbeitet werden, war das bei uns erst mal nichts mit dem kühlen Nass.

Die gigantische Berg- und Fernsicht ließ bei uns beiden keinen Wunsch nach Fotografieren aufkommen. Deswegen ist dies ein rein schriftlicher Bericht. Zum Beweis habt ihr hier den Track des Törns …

Track mit der App von Navionics aufgezeichnet.
Anzeigen: http://tinyurl.com/njspwfg
Downloaden: http://tinyurl.com/nb9rvvq

Gegen Acht sind wir dann auch nach Hause aufgebrochen, ich um eine tolle Erfahrung reicher, denn meine Frau hat uns prima durch die Wellen geschaukelt und ich konnte Segel setzen, Segel bergen, Navigieren, Konten erklären und so weiter und so fort.

Daheim wurde dann noch der Grill angeworfen und der Nachmittag sollte in einen schönen Abend über gehen.

Ahoi,
Euer Segelmichel

Mit Brief und Siegel

Gestern ist ein großer Abschnitt zu Ende gegangen. Die alte Dame hat die Bodenseezulassung bekommen! Zwei Jahre Arbeit an Wochenenden und an freien Tagen, viel Verständnis besonders von meiner Frau und sehr viel Unterstützung von freiwilligen Helfern und tolle Arbeit der Bootswerft Kollmar haben dazu beigetragen.

Mann, war ich nervös! Es war dann natürlich halb so schlimm, der Prüfer war sehr nett, fand das Boot schön und hat mir, bzw. uns Respekt und Anerkennung für das Ergebnis gezollt.

Alles war an Bord, Schwimmwesten für alle Insassen mit mind. 100N Auftrieb, zwei voneinander unabhängige Lenzeinrichtungen (eine Schlagpütz und ein Ösfass), die rote Notflagge des Bodensees, ein Signalhorn, ein Verbandskasten, ein Bootshaken, die Dreifarbenlaterne, das Ankerlicht, das Dampferlicht. Der Motor wurde begutachtet, ich glaube er will selber einen Farymann kaufen. Denn er wollte wissen, was der gekostet hat, wo bzw. bei wem man den kriegt. Da habe ich natürlich gerne auf Gabriel Robe verwiesen. Er ist ja mittlerweile der Vertreter von Farymann am See.

Nur eines fehlte, ein Notlicht, zum hissen am Mast oder der Saling, falls mal die Beleuchtung ausfällt. Aber das hat er mir dann gleich selber verkauft .Sei es Ihm gegönnt.

Am Abend ging es dann mit Andy und Alex erst noch an den Takelmast. Das war nötig, denn zwei Mann müssen das Boot in Position auf Slipp halten und ich bin den Mast hoch, hab die Fallen richtig eingehängt und mich mit der Leine an der Saling abgemüht. Mit dünner „Sorgleine“ hat es nach viel fluchen dann im dritten Anlauf auch geklappt. Jetzt kann ich auch mal „Plus“ und „Minus“ oder eine andere Gastlandflagge aufziehen. Das war mir schon wichtig. Die zweite Seite kommt ein anderes Mal, da versuche ich es dann mit Andy alleine, denn jetzt haben wir schon Übung.

Als dann der Wind endlich weg war, waren wir auch fertig. Das machte aber nichts, denn so ein Manöverschluck schmeckt auch bei langsamen Segelmanövern. Alex hat mir dann noch ein besonderes Geschenk gemacht. Eine schöne Flasche Laphroig, 10 Jahre alter Single Malt. Den gab es dann als Anlegeschluck, natürlich auch für Andy, denn er hat uns ja die meiste Zeit geschippert.

Hochzeitstag ...

Ach ja, irgend wie ist das doch toll, meine Herzdame und ich haben genau am 25.06. Hochzeitstag. Ein Datum, dass man nie vergisst (hoffe ich jedenfalls) und nun ist das auch der Termin der mich mit der Old Lady verbindet. Bis zum 25.06.2018, dem nächsten Abnahmetermin ist allerdings noch einige Zeit hin 🙂

Ahoi, bzw. Handbreit
Euer Segelmichel

Die alte Dame ist angekommen

Nach dem ich bereits eine Statusmeldung verlautbaren ließ, kann ich nun endlich sagen:

Die „Old Lady“ ist angekommen. Einer Party, Ausfahrten und vielem mehr steht nichts mehr im Wege.

Die Überfahrt war natürlich spannend. Was macht der Motor? Wie verhält sich das Boot? Kommt Wasser durch irgend eine Öffnung? Hält mich die WaschPo auf, denn man sieht ja auf 100 m gegen den Wind, dass ich keine Abnahme habe.

Doch später wieder mehr dazu … es gibt schon viel zu erzählen.

Ahoi,
Euer Segelmichel