Und schon wieder Winterblues …

Saisonende mit Tränen in den Augen und der Hoffnung auf neue Horizonte. Leider viel zu früh, aber nicht zu ändern. Die Old Lady ist wieder in Schuppenberg.

Ja, Winterblues! Denn viel früher als sonst, nämlich bereits Mitte September mussten wir unsere Old Lady aus ihrem gewohnten Element holen und in den warmen und trockenen Stall verholen.

Mein Kollege Harald hat sozusagen Eigenbedarf angemeldet. Es gibt ja noch ein weiteres, eben seine Re Antares, die er wieder fit gemacht hat. Auch Sie sollte abgenommen und wieder ins Wasser gebracht werden. Er hat noch einige Zeit direkt in Friedrichshafen zugebracht und hatten ursprünglich den Plan, seine gute auch wieder dort auszukranen. Aber er hat sich nun dazu entschieden sie direkt am See auf ihrem angestammten Platz überwintern zulassen.

Das bedeutete für meine liebe Frau und mich ein anstrengendes Wochenende. Wir sind also an einem Freitag direkt nach dem Essen an den See um die alte Dame auszuräumen. Das ging dieses mal recht einfach. Ich bin an die Tankstelle gefahren und Sylvi hat alle Polster und sonstiges Material direkt in Empfang genommen. Das Auto stand quasi an der Hafenmole. Dadurch mussten wir nichts wirklich weit schleppen. So weit so gut …

Das Legen des Mastes haben wir uns dann doch für den Samstag aufgehoben. Es war ja auch schon spät.

Am darauf folgenden Samstag habe ich dann erst den Hänger aus der Scheune geholt und wir sind dann direkt an den See zum Kran und durften unser Gespann dort parken.

Danach folgte das „Legen des Mastes mittels der Jüteinrichtung“. Ja, ich habe einen Jütbaum und entsprechend passendes Zubehör um den Mast ohne großen Aufwand selbst zu legen. Das dauert jedes mal etwas länger als gedacht, aber Gottseidank war meine Sylvi bei mir. Denn kaum hat man angefangen, fehlt ein Schraubenschlüssel, oder ein Kreuzschlitz, oder, oder, …

Das bedeutet entweder wieder aufstehen, ins Boot steigen, das passende Werkzeug suchen und dann weiter machen, oder „Mann“ hate eine gute Seele zur Seite, die einem genau dann hilft und alles anreicht.

Was an diesem Tag echt mühsam war, ich hatte mit maximal 18 Grad und bedecktem Himmel gerechnet, aber nach kürzester Zeit hat die Sonne alles weggedampft und genauso gedampft hat meine lange Hose. Das bin ich einfach nicht gewohnt. Sonst immer optimal temperiert in kurzen Hosen halte ich diese warmen Temperaturen einfach nicht aus. Zum Glück hat die Arbeitshose große Lüftungsschlitze mit Reißverschluss.

Am Ende haben wir die Gute gut aus dem Wasser gehoben und den „Schlonz“, den Bewuchs, der sich trotz Antifouling bildet mit dem Dampfstrahler entfernt und uns auf den Heimweg gemacht.

Einfahren der Ernte

Den Mast habe ich noch hochgebunden, aber leider das Boot noch nicht abgedeckt. Das muss demnächst noch nachgeholt werden. Aber bald ist ja ein Feiertag. Da sollte das klappen.

Ja und nun beginnt die schöne Zeit der Planung, der Ideensammlung und des Wartens auf den Frühling ….

Dann kann alles wieder von vorne beginnen oder wie machen mal was ganz anderes. Aber dazu ein anderes mal.

Und ganz besonders nochmals Danke für Deine Hilfe Sylvi! Zu zweit geht’s einfach leichter …

Handbreit,
Euer Segelmichel

SKS-Ausbildungstörn in Portoroz

Nun, der Törn ist jetzt schon wieder eine Weile her, aber dennoch war er auch für mich als Skipper mal wieder ein Törn um etwas dazu zu lernen. Das Boot, eine Elan Impression 45, war mit einer mehr als heterogenen Crew belegt. Unser Jüngster, ein Student von 22 Jahren und unser ältester, mit 55 Jahren. Dazwischen ein Ehepaar, das ich schon vom Schwedentörn kannte und ein weiterer Segler, ebensfalls vom Schwedentörn, aber damals auf einem der anderen Boote unterwegs.

Also ganz unterschiedliche Charaktere, alle mit Segelerfahrung. Und beim Ehepaar merkte man natürlich besonders die Routine durch das eigene Boot, wenn es ums Festmachen oder andere handwerkliche Themen ging, wie sich später noch herausstellen sollte.

Long story short, bis auf unseren Studenten, der keine Erfahrung auf großen Segelyachten hatte, alles mehr oder weniger erfahrene Skipper, die jetzt oder später die SKS-Prüfung machen wollen. Dadurch war der Rollenwechsel nicht immer einfach und manchmal hatte der „eigentliche“ Skipper gleich mehrere „Widersacher“ die ihm reinredeten. Das ist nie ganz einfach, besonders beim Anlegen, beim Festmachen oder beim Einfahren in die Box.

Interessant war der Tag mit Jugo und Welle. Der Jugo hat sich ganz klassisch mit dem gelben Streifen am Horizont angekündigt. Man nennt ihn auch Scirocco. Es ist ein warmer Wüstenwind, also eher ein Südwind, der große Mengen feinen Sand aus der Sahara nach Norden verfrachtet. Diesen Streifen kann man meist schon am Vorabend beobachten und am anderen Morgen wird der Wind dann sehr kräftig. Es waren vielleicht 5 bf und die Welle war auch nicht besonders hoch vielleicht 1 m, zumindest in meiner Wahrnehmung. Allerdings lehrten mich die grünen Gesichter der Crew etwas anderes. Je nach Verweildauer unter Deck und persönlicher Verfassung dauerte es nicht lange bis wieder einer/eine an der Reling hing. Wäre das Wetter sonniger gewesen, wie in Schweden, dann wäre es vielleicht nicht ganz so unangenehm empfunden worden. Wir haben jedenfalls das andere Boot, das mehr Ausfälle hatte in Umag wieder getroffen. Wir wollten ursprünglich weiter bis Novigrad und hatten unsere Schläge entsprechend weit hinaus auf das offene Wasser gewählt um gegen den Jugo anzukreuzen. Aber nach dem Telefonat mit Florian war klar, wir segeln zurück. Ich glaube die Crew hätte sich eingeschaukelt und wir wären gut bis Novigrad durchgekommen, aber so war es einfacher. Offensichtlich war meine Crew trotz leicht grüner Gesichter seefester als die andere.

Novirad sollte am folgenden Tag erreicht werden. Wir übten vor Umag unsere Rettungsmanöver und Beilieger und kamen am Abend dann bei Dunkelheit in den Hafen.

Der folgende Tag brachte nur sehr schwachen Wind und folglich motorten wir auch einige Zeit. Wir wollten zurück um einen weiteren Tag in der Bucht von Portoroz üben zu können. Nach dem Einklarieren gab es zur Belohnung Ankermanöver. Das gehört zwar nicht zum Prüfungsprogramm, sollte aber von jedem Skipper soweit beherrscht werden, dass auch bei schwerem Wetter oder wenig Sicht, wenn z.B. Häfen voll sind oder nicht erreicht werden können, sicher geankert werden kann um z.B. am folgenden Tag dann bei Licht in den Hafen zu fahren. Zur Überraschung war die Sicherung der Ankerwinsch durchgebrannt. Jemand hatte leider eine zu kleine Sicherung eingebaut. Nach dem Studium des Planes war klar, es musste eine 125 Ampere Sicherung sein (und keine 80 Amp.). Während ich mit einem Crewmitglied nach der Sicherung sah, konnte die restliche Crew „beiliegen“ üben. Denn wir wollten das Boot stromlos machen, bevor wir Hand an die Leitungen und die Sicherungen anlegten. Das hat wirklich sehr gut geklappt. Mit der neuen Sicherung ging die Ankerwinsch wieder und wir konnten üben.

Am Ende des Törns haben beide Prüflinge ohne Probleme bestanden. Durch das Wetter, Jugo und viel Regen, waren wir vom Programm her ein wenig eingeschränkt. Ebenso will ich nicht kurz hintereinander unterschiedliche Rettungsmanöver üben lassen. Aber wie bereits geschrieben, es hat gereicht. Keiner musste ein Manöver wiederholen.

Für unseren Studenten war es ein Meilen- und Ausbildungstörn. Es standen immerhin 135 sm auf der Logge. Er wird beim nächsten Mal auf Mallorca seine Prüfung machen. Für unser Ehepaar, war es fast ein Urlaubstörn. Sie hatten aber auch Gelegenheit zu üben obwohl sie meiner Einschätzung nach ohne Probleme die Prüfung hätten machen können.

Und für mich war es der erste SKS-Ausbildungstörn als Skipper. Bisher war ich ja „nur“ Skipper oder hab SBF-Binnen/Bodensee Schifferpatent ausgebildet. Ich bin gespannt, wie es beim nächsten Mal wird. Auch da werden wieder Bekannte mitsegeln, worauf ich mich schon sehr freue.

Ahoi, Euer Segelmichel

Was kommt jetzt?

Nach einem ruhigen Herbst in 2017 haben wir die Old Lady wieder in ihren Stall zum Überwintern gebracht. Ein paar kleinere Instandsetzungsarbeiten und das übliche „Veredeln des Untewasserschiffs“ haben mich den Winter und das frühe Frühjahr ein wenig beschäftigt. Ein paar Lackierarbeiten im Cockpit und die Salingstützen sind neu.

Die Old Lady liegt nun wieder abfahrbereit da. Ich kann, gutes Wetter vorausgesetzt, am Freitag zum Einkranen fahren. Mal sehen ob das alles hin haut.

Ein paar Projekte haben wir aber noch. Sie bekommt einen neuen Tisch, vielmehr eine praktischere Halterung. Und ein paar Kabel müssen vom provisorischen in den endgültigen Verlegezustand gebracht werden. Außerdem wird es eine Kühlbox geben, um den einen oder anderen Wein oder ein paar Bierchen einzukühlen. Bald sind wir komplett ausgestattet und ich kann mit der Old Lady auf große Tour gehen. Mal sehen was der nächste oder übernächste Jahr bringt.

Aber am Samstag, da geht es gleich richtig los. Letztes Jahr durfte ich ja als offizieller Skipper einen Schärengarten-Törn fahren. Dieses Jahr geht es gleich mehrfach in die Bütt. Ich habe ab Samstag ein Boot mit SKS-Aspiranten in Portoroz. Das Revier ist nicht besonders anspruchsvoll, lediglich das Ein- und Ausklarieren in Kroatien ist neu. Florian ist mit einem weiteren Boot dabei. Genauer gesagt, war wohl der Andrang so groß, dass ich als zweites Schiff eingeplant wurde.

Übersicht Portoroz

Das wird auf jeden Fall spannend und ich werde weiter berichten.

 

Ahoi, Euer Segelmichel

Sie schwimmt wieder ..

Gestern Nachmittag ging es generalstabsmäßig geplant wieder ins Wasser. Die letzte Lackschicht konnte bereits seit Montag trocknen, das Unterwasserschiff war fertig. Also konnte ich auch schon alle Polster uns sonstige Habseligleiten zurück ins Boot räumen. Nach einem frühen Mittagessen ging es bei mir los. Den Mast musste ich von der Decke lösen und aufs Boot runter lassen, die Spanngurte mussten angebracht werden, damit das gute Stück auch schön im Trailer bleibt und auf der Fahrt zum Hafen sich nicht verselbständigt. Kurz vor Zwei kamen Hubert, Christoph und meine Frau Sylvia. Die Leiter kam noch kurz ins Auto und schon stand der Traktor vor der Scheune. Christoph schob den Trailer langsam aus dem Stall und um 14:15 hing er bereits hinter meinem Auto. Wir fuhren los und kamen bei ruhiger und professioneller Betriebssamkeit am Kran an. Und unglaublich, obwohl ich ein paar Minuten warten musste, war ich schon um 15:15 im Wasser und auf dem Weg in die Box.

Danach haben wir noch schnell einen Parkplatz für das Gespann gesucht und sind zurück aufs Boot. Die Vorbereitungen für das Maststellen und das einräumen der letzten Habseligkeiten, wie Kaffemaschine, Zuckerdose und ein paar neue Gläser hat dann doch eine Weile gedauert. Die Salinge mussten sortiert, die Wanten ausgerollt und in Position gebracht werden. Den Mast hochzuziehen und die Wanten anschlagen, war dann eigentlich ein Klacks. Die Wanten noch gespannt und dann gab es, Fastenzeitbedingt, ein alkoholfreies Bier zur Belohnung. Und um 18:30 machten wir uns dann mit gestelltem Mast und angeschlagenem Großbaum wieder auf den Heimweg.

Gut dass Sylvia dabei war, man braucht doch immer eine Hand mehr, egal was gerade am Boot zu tun ist. Jedenfalls ist es ein schönes Gefühl, wenn das Boot im Wasser ist und die Saison beginnen kann.

Ahoi, Euer Segelmichel

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren oder Old Lady bald am Haken

Die letzten Wochen waren arbeitsreich. Die Liste der „kleinen“ Reparaturen wird länger. Bei näherer Inaugenscheinnahme kamen immer wieder neue Punkte auf die Liste. Ich wollte ursprünglich noch im März das Boot einkranen. Aber zum einen bindet  mich ein Kundenprojekt und zum anderen fallen immer wieder Wochenenden weg für Familienfeste oder andere Verpflichtungen.

Was ist erledigt? 

  • Batterien wieder einbauen
  • Schanzkleid im Cockpit von innen neu lackieren
  • Deckshaus am Niedergang anschleifen und lackieren
  • Großbaum entlacken, schleifen und neu lackieren
  • Spibaum neu lackieren
  • Mastfuß lackieren
  • Pinne neu lackieren
  • Unterwasserschiff neu lackieren
  • Motor entwintern 
  • Neues Groß beim Segelmacher abholen
  • Macken im Rumpf mit Lack abdecken
  • Kratzer in der Scheuerleiste schleifen, neu beizen und lackieren
  • Winschen fetten

Was ist noch zu tun?

  • Verklicker montieren
  • Teakdeck reinigen und neu einölen

Zumindest ist die Liste der offenen Punkte kürzer als die der erledigten. Aber ob es bis Freitag reicht? Mal sehen …

Also jetzt, wenn ich den Beitrag redigiere sind schon wieder Punkte erledigt. Also scheint es möglich, am Freitag fertig zu werden. Das Teakdeck kann ich im Hafen erledigen. Allerdings brauche ich die kleine Platte mit den Gewinden um den Vercklicker ordentlich befestigen zu können. Das möchte ich nicht mit stehendem Mast. Also schauen wir mal ob mein Kollege Ralph bis Freitag oder besser bis Donnerstag so weit ist. Dann wäre am Freitag der Krantermin und am Samstag Abend kann ich noch den Mast stellen.

Ihr wundert euch sicher auch, warum schon wieder so viele Punkte mit „lackieren“ auf der Liste sind. Nun, zum einen ist die Old Lady ein Holzboot und zum anderen sind nun zwei Jahre seit dem Refit vorbei. Das bedeutet, dass die beiden obersten Lackschichten durch UV-Einwirkung komplett „verdampft“ sind. Deswegen lackiert man entweder jedes Jahr eine oder alle zwei Jahre mindestens zwei neue Schichten oben drauf. Beim Spibaum habe ich z.B. einen anderen Lack verwendet. Der „Schooner Lack“ von International hat der Strahlung nicht stand gehalten. Andere Teile des Bootes sind mit Epifanes Lack aufgebaut. Hier habe ich viel bessere Ergebnisse erzielt. Deswegen bin ich nun auch gespannt, ob die Nachbehandlung mit Epifanes 1K Lack hier besser abschneidet.

Wie endgültig …. der Winterblues kann kommen

Heute war es dann wieder so weit. Der November kommt mit Ostwind und Frost um die Ecke. Eigentlich wäre nochmals ein schöner Segeltag gewesen. Aber Hubert, bzw. Sieglinde, meine „Vermieter“ konnten nur heute mit dem Traktor rangieren. Also sollte die alte Damen heute an den Haken genommen werden. Gesagt, getan …

Am Vormittag machten Andy und ich mich auf den Weg zur Old Lady. Als erstes mussten wir die Persenning bei starkem Ost auf dem Steg bändigen, dann Großsegel und Großbaum abschlagen.

Wie im Frühjahr kam auch er Jütbaum wieder zum Einsatz. Dieses mal nur in die andere Richtung. Dank der Tatkräftigen Hilfe meines Sohnes war das „Saisonende“ heute Abend bereits erledigt. Am Kran gab es einen kleinen Stau, aber gegen 16:00 war die Old Lady dann untenrum, dank Dampfstrahler wieder sauber. Ab nach Hause, in dem Fall nach Schuppenberg, wo Hubert und Sieglinde auf uns warteten.

Die Old Lady steht wieder im trockenen Stall und wartet auf ein wenig Zuwendung. Doch dazu später mehr.

Handbreit,
Euer Segelmichel

Der Segelsommer geht zu Ende

Die herbstliche Melancholie tritt raumgreifend in den Mittelpunkt. Blätter färben sich in den schönsten und wärmsten Farbtönen um dann schließlich doch zu Boden zu fallen. Zähe Morgennebel halten sich manchmal bis Mittags oder bleiben bleiern als Hochnebel über der Landschaft liegen und lassen Sonne und Himmel nur erahnen. Er ist da, der Herbst. Im Hafen wird ein Boot nach dem anderen aus dem Wasser geholt und in ein kuscheliges Winterlager verbracht. Freie Liegeplätze gibt es jetzt im Überfluss.

Aber Old Lady darf noch ein wenig im Wasser bleiben. Ich hoffe noch auf ein paar schöne Ausfahrten. Zugegeben, die beginnen eher spät, sobald sich der Nebel lichtet, aber die Stimmungen auf dem Wasser sind dafür unbeschreiblich. Ebenso hoffe ich auf ein paar kräftige Herbstwinde, die das Segeln noch einmal so richtig schön werden lassen. EIn paar mal hat es auch geklappt, sowohl mit dem erwünschten kräftigeren Wind, als auch mit goldenen, herbstlichen Sonnenuntergängen.

Die eingefangenen Eindrücke spiegeln es ein wenig wieder. Aber bald wird es wohl auch bei uns so weit sein, Mastlegen, Boot kranen und dann ins Winterlager. Genau das ist bei mir die Ursache für den Blues … Es ist einfach so endgültig.

Aber, um es mit Digger-Hamburg, alias Stephan Boden zu sagen, es sind nur noch … Tage bis Frühlingsanfang.

Ahoi und Handbreit,

Euer Segelmichel

Kurzes Update

Nachdem mein Kollege sein Boot nicht zur Abnahme vorstellen konnte, war mein Gastspiel in Lindau schneller beendet, als angenommen. Nach einer guten Woche konnte ich die Old Lady also wieder nach Gohren verholen. Die Anfahrt erfolgte mit der Bahn. Ich hatte in Lochau ein Skippertraining abzuhalten, dass nur bis 13:00 geplant war. Danach ging´s ab Lochau mit der Bahn bis nach Lindau. Das ist genau eine Station weiter …

Irgend wie eine coole Sache, mit der Bahn zum Boot. Die Old Lady fand ich an gewohnter Stelle. Allerdings gab es eine kleine Beschädigung am Boot. Ohne Ruckdämpfer sind die Belastungen für die Klampen und Lippen ganz erheblich. Ich wollte die Festmacher nicht zu locker hängen lassen, deshalb gab es bei jeder größeren Welle einen ordentlichen Ruck. Die Klüse, bzw. der Beschlag mit den Lippen, durch den der Festmacher geführt wird, ist auf eine kleine Erhöhung geschraubt. Und dieses kleine Stück Holz ist mit Sikkaflex aufgeklebt und zum Deck hin abgedichtet. Da es teilweise sehr windig, fast schon stürmisch war, und der Schwell, der vorbeifahrenden Kursschiffe im Lindauer Hafen sein übriges tat, ist es also nicht verwunderlich, dass irgend etwas auf Dauer der Belastung nicht standgehalten hat.

Eine der Schrauben war gebrochen und die andere ziemlich verbogen. Ich konnte die Schraube herausdrehen und den Beschlag entfernen. Das war also nicht so schön. Später sollte sich herausstellen, dass die abgebrochene Schraube nicht zu entfernen war, ohne den ganzen Bugkorb zu lösen.

Aber was soll´s, da müssen wir eben durch oder anderweitig Improvisieren. Dazu später mehr ..

Handbreit, Euer Segelmichel

Solo die Erste

Nach den vielen Regenfällen der vergangenen Tag sagte die Wettervorhersage für den gestrigen Freitag Sonne satt voraus. Deswegen habe ich am Donnerstag am Abend noch die Tasche gepackt und bin zur Old Lady gefahren. Die üblichen Arbeiten standen an, Ganzpersenning entfernen und verpacken, Wasser holen im neuen Faltkanister und das kleine Sonnensegel aufbauen, damit am Morgen wenigstens das Cockpit nicht total feucht ist. Es ist zwar bereits Juni, aber am Morgen wird es immer noch empfindlich kühl und die feuchte Luft kondensiert sofort.

Die erste böse Überraschung gab es beim Füllen des Kanisters, denn genau an den Ecken, an denen er so schön klein zusammen gefaltet ist, waren nach dem ersten füllen bereits Haarfeine Löcher. Zwei hauchdünne „Wasserstrählchen“ beförderten das kühle Nass wieder nach draußen. So konnte ich den Kanister also nicht lagern. Was lag also näher, als ihn ins Waschbecken zu stellen. Schließlich habe ich den Grauwasserauffangbehälter bereits letztes Jahr angeschlossen. Was aktuell fehlt, ist die Verbindung von der Fußpumpe zum Wasserhahn und die erste Füllung des Wassertanks. Aber darauf will ich eigentlich vorerst verzichten.

Am anderen Morgen stand das Waschbecken halb voll, bis eben der Pegel im Behälter und im Waschbecken gleich waren. Ein schönes Geräusch, dieses Plätschern, als ich den Stöpsel im Waschbecken dann gezogen habe. Es funktioniert also …

Dann bereitete ich mir den üblichen Kaffee mit der italienischen Kaffeemaschine. Leider ergibt das immer nur eine Tasse, aber dafür ist er sehr stark und schmeckt gut. Schnell noch Wasser aufgesetzt und einen Caro-Kaffee und eine Kanne Tee für den Tag angesetzt. Jetzt noch ein paar Cookies und der Tag kann beginnen.

Bis Andy vorbei kommt, sollte es noch ein wenig dauern, also könnte ich noch ein paar Pflichtarbeiten erledigen. Ich habe einen besonders langen Festmacher angefertigt, der mir bei Solo-Touren als Sorgleine dienen soll. Dem habe ich gleich zwei ordentliche Taklinge verpasst. Danach habe ich die Fuge zwischen den Haltegriffen und dem Deckshaus mir weißem Sikkaflex verschönert. Ich war noch mitten in der Arbeit, da kam Andy bereits. Er hatte eine schöne Motorrad-Route ausgesucht und wollte eben nicht bereits am Vorabend anrücken und den ganzen Tag bleiben. Allerdings sollte unsere gemeinsame kleine Ausfahrt nicht mit besonders viel Wind gesegnet sein. Aber es war sehr entspannend und gegen Mittag setzte ich ihn dann wieder im Hafen ab.

Ich begann dann noch ein wenig weiter zu werkeln. Der Kabelbaum, der vom Motor zum Bedienpaneel führt enthielt noch ein „undefiniertes“ Kabel. Was da wohl für ein Signal oder für eine Spannung ankommt? Ich hatte versucht bei Farymann etwas über die Motorelektrik zu erfahren. Nach einigem Suchen bin ich auch fündig geworden. Den Schaltplan habe ich einigermaßen verstanden, es sollte noch Anschlüsse für einen Drehzahlmesser geben. Ich wollte aber eine Spannungsanzeige und einen Betriebsstundenzähler anschließen, die ich bereits in vorhandene Löcher im Cockpit eingebaut habe. Also bin ich mit dem Multimeter angerückt und habe bei eingeschaltetem Motor 12,8 V gemessen. Und bei laufendem Motor zu meiner Freude ebenso. Jetzt gab es also eine elegante Lösung, ohne dass ich weitere Kabel vom Motor oder der Batterie unter dem Cockpitboden in Richtung Steuerpaneel ziehen musste. Für den Pinnenpilot hatte ich bereits ein weiteres Kabel, abgesichert mit 10A vom neuen Verteiler an der Starterbatterie zur anderen Seite verlegt. Der eiserne Gustav ist ja zum einen sehr wichtig für mich, wenn ich alleine segeln will und zum anderen meist in Betrieb, wenn ich unter Motor fahre. Warum soll er dann also nicht an der Starterbatterie hängen, die wird ja auch vom Motor gespeist.

Eigentlich wäre es jetzt auch möglich gewesen, den eisernen Gustav (Raymarine ST1000+) an die Versorgungsbatterie zu hängen, denn ich habe seit dieser Saison einen Sterling B2B Lader BBW1225. Damit wird die Versorgungsbatterie bei Motorbetrieb mit aufgeladen, sobald die Starterbatterie wieder voll ist. Eine tolle Sache, denn es wird mit IUoUo-Kennline passend für den Batterietyp geladen. Damit brauche ich keinen Landstrom um die Batterien zu laden, ein halbes Stündchen mit dem Motor fahren reicht bereits. Aber egal, der Eiserne hängt direkt an der Starterbatterie und solle in Kürze zu Ehren kommen. Denn der Wind war wieder ein bisschen stärker geworden, mein Parkschein war noch bis 20:45 gültig, warum also nicht noch mal raus fahren.

An- und Ablegen geht alleine schon ganz gut. Das habe ich bereits oft gemacht. Aber ich habe mich bisher nie getraut die Segel zu setzen, wenn ich alleine bin. Denn unter Motor, also gegen den Wind, kann und darf man die Pinne der Old Lady auf keinen Fall loslassen. Denn nur unter Segeln fährt die Dame einfach geradeaus, wenn sie denn gut getrimmt ist. Unter Motor schlägt die Pinne wild aus und meistens geht das Boot sofort auf Kreisfahrt. Und zwar sehr enge Kreise, passend zur „harten Ruderlage“.

Vor lauter Spannung und Aufregung habe ich nun weder ein Bild gemacht, noch habe ich das Tracking von der Navionics-App gestartet. Zweiteres habe ich dann aber nachgeholt und wenigstens den Track vom Bergen der Segel aufzeichnen können.

Der letzte Schlag, der fast genau Richtung Westen geht, den hat der Eiserne gesteuert während ich die Segel geborgen und die Fender in Position gebracht habe. Wie mit dem Lineal gezogen. Trotz Wellen von Motorbooten und Kursschiffen. Er hat richtig gut gesteuert. Ich kann also sagen, es geht …. Auch Solo.

Handbreit,

Euer Segelmichel

Mit Rauschefahrt zum Vatertag

Gestern war ja wirklich Kaiserwetter. Mit 4 Bft in Böen 5 hatte man uns auf’s Wasser gelockt. Und tatsächlich einmal bis Lindau dann bis Meersburg und wieder zurück hat es gereicht.

Um die 35 sm standen am Ende auf der Logge. Maxspeed 7 kn. Das ist Rekord für die alte Dame. Sie hat sich ganz schön auf die Seite gelegt und jeden Drücker mitgenommen. Ein sensationeller Tag in kleiner Männerrunde. Davon gerne mehr …

Handbreit,
Euer Segelmichel